Jugendkirchentag und unterwegs mit der Couch-Lounge

jugendkirchentagUnterwegs mit der Couch-Lounge zum Jugendkirchentag

Am 21. und 22. September veranstaltete der Bund evangelischer Jugend Mitteldeutschlands (bejm) den Mitteldeutschen Kirchentag. Das Statement der Aktion richtete sich klar gegen Rechtsextremissmus und für mehr verantwortungvolle Umwelt und Wirtschaft. Innerhalb dieses großen Treffens von zahlreichen Christen aus dem Raum Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fand der Jugendkirchentag statt. Hier gab es für junge Leute zwischen 13 und 23 Jahren ein abwechslungsreiches und breites Angebot an Aktivitäten, Workshops, Gottesdiensten, Bands und und und…

Auch wir haben uns mit dem Projekt „Better together – Jugend und Politik auf Augenhöhe“ beim Jugendkirchentag miteingemischt und einen Stand zum Thema Soziale Inklusion angeboten. Warum „Wir“? Jugendkirchentag 2013 Diesmal hatte ich multiprofessionelle Unterstützung von Stephanie Sluka vom Verein Aktiv Leben Konzept, dem Erlebnis- und Freizeitpädagogen Markus Fischer sowie Marcus Bart, dem Behindertenbeauftragten der Stadt Jena.

Zusammen standen wir in unserer super gemütlichen Couch-Lounge mit zahlreichen Aktionen und Angeboten für die Jugendlichen bereit.

Jugendkirchentag 2013 Spannende Kooperations- und Interaktionsspiele konnten die Besucher des Jugendkirchentages, welche sich zwischen den zahlreichen Ständen auf dem Ernst-Abbe-Platz bewegten, ausprobieren. Unter dem sonnigen Dach unserer Couch-Lounge gab es unter anderem die Möglichkeit bei Snacks und Getränken Buttons zu basteln. Auch dieses Angebot traf bei den jungen InteressentInnen auf große Begeisterung.

Jugendkirchentag 2013 Zum Thema Inklusion hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit dem Rollstuhl auszuprobieren oder sich als blinder- oder sehbeeinträchtigter Passant durch die Straßen Jenas zu bewegen. Ihre Selbsterfahrung konnten sie zu Papier bringen.

Hier sind die Eindrücke und Erlebnisse der „Testfahrer“:

„Man bewegt sich viel vorsichtiger.“

„Sehr sehr anstrengend, dafür, dass man extrem langsam vorwärts kommt.“

„Alle Achtung vor Behinderten mit Lebensmut.“

„Dinge auf Augenhöhe sind ganz andere – man kommt sich klein vor.“

„Ich glaube, dass es anfangs sehr ungewohnt war mit dem Rollstuhl zu fahren, aber man es schaffen kann, wenn man sich stark drauf konzentriert.“

„Die meisten Leute sind wirklich sehr rücksichtsvoll. Doch was mich als Betroffene sehr gestört hat sind mitleidige Blicke. Das kommt so scheinheilig. Der Rollstuhl war sehr gut zu manövrieren! Mc Donalds hatte Stufen!!!“

„Mein Respekt an die Betroffenen!“

„Hätte ich blind keine Freunde die mich führen, würde ich es nicht weit schaffen.“

„Meinen Respekt vor Leuten mit Behinderung. Es ist so schwer, sich als Einzelner im Alltag zurecht zu finden. Ohne Gemeinschaft / Freunde stelle ich es mir schwierig vor!“

„Schieben ? leichter zu bewegen als selber drin sitzen.“

„Wenn man es zum ersten Mal macht ist es sehr lustig, aber auf Dauer ist es bestimmt sehr anstrengend.“

„Wenn man nichts sieht ist blöd und komisch. Man fühlt sich allein und unsicher.Ich kam langsam vorwärts. Man bekam nicht so gut mit, was andere sagten.“

Man sieht wie es ist, sich blind fort zu bewegen. Es war spannend.“

„Alle Passanten sehr rücksichtsvoll.“

„Es ist schwer zu fahren. Aber andere Leute nehmen Rücksicht.“
„Man fühlt sich eingeengt.“

„Blind wusste ich nicht wo ich bin. Wenn andere das Vertrauen missbrauchen fühlt man sich hilflos und allein.“

„Es ist wirklich schwer, sich im Rollstuhl alleine fortzubewegen. Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig und schnell tun einem die Hände und Arme weh. Glücklicherweise wird man nur von wenigen Menschen schief angeschaut, die meisten nehmen Rücksicht und weichen aus“

Jugendkirchentag 2013 Ich selbst habe an diesem Tag wieder viel dazu gelernt. Auch unserer Stand fiel bei der Prüfung auf Barrierefreiheit an einem Punkt durch. Wir hatten Getränke im Angebot, welche wir auf einem Stehtisch positionierten.

Als Herr Barth am Couchlager eintraf, konnte er sich nicht selbst mit Kaffee versorgen, da die Höhe für ihn als Rollstuhlfahrer unerreichbar war. Schnell funktionierten wir einen Tisch als Theke um, so dass Jugendkirchentag 2013 die Selbstbedienung nun kein Problem mehr darstellte. Als wir uns dann zusammen über das Erlebnis austauschten, sagte Herr Barth zu mir: „Naja,und daran merken wir eben, dass Inklusion doch in den Köpfen der Menschen anfängt!“

Stephanie Sluka und Marcus Barth leiteten den Workshop, welchen wir als zusätzliches Angebot an diesem Tag neben dem Stand mit eingeplant hatten. Dabei diente der Kurzfilm „46-47“ als spannender Einstieg in das Thema Inklusion. In lockerer Gesprächsatmosphäre tauschten sich die TeilnehmerInnen über persönliche Erfahrungen, bestehende Hemmungen und Berührungsängste gegenüber von Menschen mit Beeinträchtigung sowie über die eigene Vorstellung einer inklusiven Gesellschaft aus. Erstaunt zeigten sich die Jugendlichen über die eher ungewöhnliche Umsetzung der Themen inklusive Werte, Behinderung und Ausgrenzung. Aufgrund der persönlichen Lebensumstände und den Erfahrungen aus der Sicht eines Betroffenen konnten die ReferentInnen so interessante und verborgene Blickwinkel eröffnen. Nach der Gesprächsrunde waren sich alle einig: Es sollte öfter solche Veranstaltungen geben, bei denen diese Art von Begegnung und gemeinsamer Austausch ermöglicht wird. Alle Beteiligten erlebten die jeweilige Perspektive des Anderen als sehr wertvoll und große Bereicherung.

Bilder vom Jugendkirchentag

Hier noch ein paar Gedanken von den Jugendlichen aus den Gesprächen:

„Ich persönlich habe keine großen Berührungsängste gegenüber Behinderten. Manchmal weiß ich trotzdem nicht genau wie ich reagieren soll und deshalb find ich die Idee der Inklusion klasse!“

Inklusion – aber wie?
– mehr Informationen in Bezug auf Menschen mit Behinderung
– Umgang mit Menschen mit Behinderung von klein an
– Menschen mit Behinderung in Politik einbinden, wenn sie qualifiziert sind
– Berufe im öffentlichen Verkehr
– in Schulen Vorträge oder Leute zu Gesprächsrunden einladen
– Schulen und Kindergärten für alle Kinder

Fazit zum Film „46-47“ von Nadine Heinze und Marc Dietschreit:
„Man sieht manchen Menschen ihre Behinderung gar nicht an. Sie sind wie du, sehen so aus wie du. Also behandle sie auch so, gib den Menschen keine besondere Rolle, sondern versuche zu überlegen, was man machen könnte, damit es nicht weiter auffällt.“

„Ich fand den Film sehr gut! Die Idee mit dem „Rollentausch“ fand ich interessant und werde den Film auf jeden Fall weiter empfehlen. Ich finde es traurig, dass es nur wenig Filme gibt die dieses Thema ansprechen.“

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