Treffen zum Thema Soziale Inklusion

soziale inklusion
Strukturierter Dialog – Eine Veranstaltung des Projektes „better together – Jugend und Politik auf Augenhöhe Vol.2“ vom 4. Bis 6. September 2014

Unter dem Motto „Junge Ideen für Politik und Praxis zum Thema Soziale Inklusion“ trafen sich Anfang September Jugendliche aus verschiedenen Regionen Thüringens, welche endlich einmal ihre Ideen zu diesem Thema an politische EntscheidungsträgerInnen loswerden wollten.

Über lange Zeit hatten junge ThüringerInnen an dem brandheißen Thema Inklusion gearbeitet. Besonders das Themenfeld „Inklusion in Schule“ beschäftigte sie. „Politik muss uns fragen, da wir ja die ExpertInnen für Schule sind und uns dort die ganze Zeit aufhalten“, meinte eine der Jugendlichen. Aus diesem Grund wurden am 05.09.2014 verschiedene politische EntscheidungsträgerInnen von Landes- und Kommunalebene, sowie VertreterInnen aus der Praxis, in den Garten „Family Club Erfurt“ eingeladen, um mit den Jugendlichen bei strahlendem Sonnenschein über ihre Ideen zur Umsetzung von Inklusion in Schule zu diskutieren.

Die SchülerInnen, welche in Gymnasien, Regelschulen und Förderschulen lernen und unter anderem Schüler- und KlassensprecherInnen sind, bereiteten im Vorfeld ihre ihre Ergebnisse auf, bastelten Namensschilder, probten für die Moderation und beschäftigten sich mit den Steckbriefen der eingeladenen PolitikerInnen. Kurz bevor die Veranstaltung begann, konnte man die Aufregung spüren. Besonders unseren jungen ModeratorInnen, welche zum Teil zum ersten Mal mit Mikrofon vor so vielen Menschen sprechen durften, zitterten leicht die Knie.

Nach und nach trafen dann unsere Gäste ein und wurden von den Jugendlichen persönlich empfangen. Unter anderem zeigten Astrid Rothe-Beinlich (Bildungspolitische Sprecherin „Bündnis 90/Grünen“), Cornelia Klisch (Stadträtin des Erfurter Stadtrats für die SDP), Susanne Hennig-Wellsow (Bildungspolitische Sprecherin „Die Linke“), Michael Panse (Fraktionsvorsitzender der CDU im Erfurter Stadtrat), Denny Möller (Vorsitzender des Jugendhilfeausschuss Erfurt), Jürgen Kornmann (Schulleiter des Königin-Luise-Gymnasiums Erfurt), Ute Karger (Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit) und Christina Wilhelm Jugendamt Erfurt) Interesse an den Ideen der Jugendlichen. Es war eine tolle Mischung aus Politik und Praxis, welche hier in Erfurt zusammen traf. Besonders Jürgen Kornmann konnte uns praktische Einblicke zum aktuellen Stand der Inklusion an seiner Schule geben.

Jeder der PoltikerInnen hatte zu Beginn zwei Minuten Zeit, ein persönliches Statement zum Thema Inklusion abzugeben. „Wenn man von Inklusion spricht, meint man mehr als Behinderungen, es geht um die gleichberechtige Teilhabe aller Menschen“, meinte Herr Panse. Astrid Rothe-Beinlich sagte: „Viele Unterschiede ergeben neue Chancen und am wichtigsten ist es, die Barrieren im Kopf zu beheben.“ Susanne Hennig-Wellsow vertrat hingegen die Meinung, dass es keine Inklusion gibt, da man ja sonst gar nicht darüber reden müsste. „Wir sollten einsehen, dass Vielfallt normal ist. Bei Babys funktioniert das, die mögen sich egal welche Hautfarbe das andere Kind hat“, argumentierte die Bildungspolitische Sprecherin der Linken.

Die anwesenden Gäste waren sich einig, um Inklusion überall zu leben und umzusetzen, dauert es noch viele Jahre. Zu allererst muss es erst einmal in den Köpfen der Menschen „klick“ machen. Das Gleiche haben auch bereits die Jugendlichen erkannt.
Doch mit der Veranstaltung solte nun schon ein Schritt in Richtung „Inklusion“ gemacht werden, indem junge Menschen ihre Wünsche und Umsetzungsvorschläge für eine inklusive Schule preisgaben und zur Diskussion stellten. Dafür haben sie für alle geladenen ExpertInnen eine individuelle Mappe gestaltet, welche ihre bisherigen Erkenntnisse zum Thema „Inklusion in Schule“ beinhalten. Diese Unikate wurden natürlich im ultimativen „Inklusions-Look“, wie man zum Beispiel an „Eine Tüte Inklusion“ wunderbar sehen kann, mit viel Liebe fürs Detail gestaltet.

Nach dem Austeilen der Mappen stellten die Jugendlichen auf bunt gestalteten Plakaten einige ihrer gesammelten Forderungen vor. Sie haben unter anderem eine genaue Vorstellung, wie ein perfekter Lehrer oder eine perfekte Lehrerin in einer inklusiven Schule sein soll, wie das Schulgebäude baulich gestaltet werden müsste und wie der Unterricht ablaufen könnte. Besonders wichtig war den Jugendlichen aber die Aufklärung über die Beeinträchtigungen der Kinder, welche anders behandelt oder benotet werden. Natürlich sollte das mit den Eltern des Kindes abgesprochen werden. Aber Transparenz ist den Jugendlichen wichtig, um Entscheidungen der LehrerInnen besser zu verstehen. Die PolitikerInnen waren ganz entgeistert, dass es diese Aufklärung an den Thüringer Schulen noch nicht, beziehungsweise nicht überall gibt. Des Weiteren sind die Jugendlichen der Meinung, dass die LehrerInnenausbildung verändert werden muss. Der Lehrinhalt des Studiums muss den Inklusionsgedanken beinhalten, da der Weg einer inklusiven Lernkultur durch die UN-Konvention hier in Deutschland geebnet wurde. LehrerInnen fühlen sich dann sicherer im Umgang mit beeinträchtigten Kindern und können lockerer mit der Situation umgehen, meinen die Jugendlichen.

„So, und nun liebe Politiker und Politikerinnen sind sie gefragt – Was können Sie dazu beitragen, um unsere Wünsche umzusetzen?“, fragte die 15-jährige Moderatorin Marianna. Susanne Henning-Wellsow und Ute Karger versprachen, sich für eine Änderung der LehrerInnenausbildung einzusetzen, Cornelia Klisch und Astrid Rothe-Beinlich machen sich für Lehrerschulungen sowie Aufklärungsprogramme stark, Ute Karger und Denny Möller stehen für die Einsetzung von InklusionshelferInnen sowie SchulsozialarbeiterInnen an allen Schulen, Christina Wilhelm möchte das Thema Inklusion mit ihren Jugendlichen im Jugendclub „Freizeittreff Lindenweg“ besprechen und Jürgen Kornmann setzt sich weiterhin dafür ein, dass der Inklusionsgedanke an seiner Schule Thema bleibt.

Im Anschluss an die Diskussion füllten die PolitikerInnen die letzte Seite in ihrer erhaltenen Mappe aus – „Mein persönlicher Beitrag zu diesem Thema:“ – auf der sie ein paar persönliche Worte an die Jugendlichen richteten, ihren eigenen Beitrag für eine inklusive Gesellschaft noch einmal schriftlich festhielten, und mit dem Hinterlassen ihrer Kontaktdaten dazu aufriefen, Unterstützung bei ihnen zu suchen.

Die Diskussionsrunde lief in entspannter Atmosphäre ab – Austausch auf Augenhöhe, Sonnenschein im Garten und keine „Spießerkleidung“. „Die können ja auch ganz normal aussehen, ohne Hemd und Krawatte“, viel den SchülerInnen positiv auf.

Am dritten Tag des Treffens wurde die PolitikerInnenrunde noch einmal ausgewertet und es wurde überlegt, wie Jugend und Politik im kontinuierlichen Kontakt bleiben können. Astrid Rothe-Beinlich brachte die Jugendlichen auf die Idee, eine Gruppe bei Facebook zu gründen, in der alle PolitikerInnen und Jugendliche eingeladen werden könnten. Somit könnte der Austausch erleichtert werden. Diese Idee wollen die Jugendlichen auch umsetzen und darin ihre neu aufgetretenen Fragen stellen. Ihnen ist es besonders wichtig den Kontakt und damit auch den Dialog über die Veranstaltung hinaus aufrecht zu erhalten. Dafür müssen sowohl PolitikerInnen als auch Jugendliche aktiv bleiben!

Des Weiteren wurde nun schon viel zum Thema Inklusion gearbeitet, doch es gibt ja auch noch andere Themen, welche Jugendliche interessieren. Partizipation, (Rechts-)Extremismus, sowie die Verbesserung des Klassenzusammenhaltes bewegten die jungen TeilnehmerInnen. „Aber wie können wir darüber aufgeklärt werden oder etwas dagegen tun?“.

Die Jugendlichen erarbeiteten in Kleingruppen Tipps & Tricks, wie sie ihre Ideen an ihrer Schule einbringen können, um zum Beispiel den Klassenzusammenhalt zu stärken. Viele der Jugendlichen wollen mit diesem Wissen und der Begeisterung, welche durch die Veranstaltung belebt werden konnte, nun selbst aktiv werden und eigene Projekte an ihrer Schule oder in ihrer Heimat starten. Jetzt heißt es dran bleiben, bis der Dialog in die nächste Runde geht.

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