Jugendparlamentskongress in Heilbad Heiligenstadt

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„Veränderung beginnt im Kopf“ – 1. Thüringer Jugendparlamentskongress in Heilbad Heiligenstadt
Mit dem Projekt „better together“ verschlägt es uns öfter in die verschiedenen Regionen des grünen Bundeslandes in der Mitte Deutschlands. Ein neuer Kontakt entstand diesmal im schönen Eichsfeld, um genau zu sein mit den JugendparlamentarierInnen von Heilbad Heiligenstadt.

Diese überaus engagierten jungen Leute beteiligen sich schon seit längerem am städtischen Leben ihrer Kommune. Diesmal hatten sie die Idee, einen Kongress zu organisieren, um einmal alle Thüringer Jugendparlamente an einen Tisch zu bringen. An drei Tagen hatten die rund 50 TeilnehmerInnen neben tollen musikalischen und sportlichen Abendangeboten, die Gelegenheit sich endlich einmal näher kennenzulernen. Dabei war den OrganisatorInnen wichtig, sich bei diesem Treffen gemeinsam über die eigene Arbeit auszutauschen, sich mehr zu vernetzen und mögliche Zukunftspläne zu schmieden. Realisiert wurden diese Inhalte über verschiedene Workshops zum Thema Demokratie, Vernetzung der Jupa`s und Kontaktaufnahme zu politischen EntscheidungsträgerInnen sowie die Interessendurchsetzung von Jugendlichen. Der zuletzt genannte Workshop war der von uns übernommene Part. Wir wollten den politisch aktiven Jugendlichen aus Thüringen von unseren Erfahrungen mit PolitikerInnen berichten. Wir waren aber ebenso gespannt, welche Ideen und Vorschläge sie selber haben, wenn es darum geht, Jugend und Politik in den Dialog zu bringen und die Ideen von jungen Menschen bei politischen Entscheidungen einzubringen.

Nach einer ersten Kennenlernrunde und einer kurzen Projektvorstellung haben wir mit den Damen aus Saalfeld, Heilbad Heiligenstadt, Bad Frankenhausen und Jena besprochen, welche Inhalte im Workshop thematisiert werden sollen. Dabei mussten wir feststellen, dass diese nicht unbedingt den Vorstellungen der JugendparlamentarierInnen entsprach. Kurzerhand änderten wir unser Programm so, dass auch die Diskussions- und Themenwünsche der TeilnehmerInnen Berücksichtigung fanden. Wir sammelten zunächst die verschiedenen Interessenschwerpunkte. Das Ergebnis: mehr Miteinander; mehr Beteiligung; neue Ideen, um die eigene Stadt zu verbessern; wie kann der Dialog zwischen Jugend und Politik verbessert werden; Wunsch nach Informationen über die strukturellen Instanzen innerhalb von Politik und Verwaltung; Auseinandersetzung mit dem Thema Partizipation und (Rechts)Extremismus (Gründe / Verhinderung) waren die Themenfelder, welche den Befragten am Herzen lagen.

In zwei aufgeteilten Gruppen wurden jeweils zwei Themen bearbeitet. Zum einen wurde das Thema Rechtsextremismus näher unter die Lupe genommen. Im gemeinsamen Gespräch kam dabei die Frage auf, welche Position sie als Vertreterinnen eines Jugendparlaments dem gegenüber einnehmen sollten. „Sollten wir uns gegen Rechtsextremismus aussprechen?“. Die Antwort konnte nicht eindeutig gegeben werden: „Jain, also wenn man sich gegen Rechtsextremismus ausspricht, muss man sich auch gegen Linksextremismus aussprechen. Halbe Sachen macht man nicht. Grundsätzlich sollten wir aber neutral bleiben und neutral handeln!?“, so die Meinung der Jugendlichen. Sie verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf die Satzungen ihrer Jugendparlamente, in dem Neutralität und freie Meinungsäußerung als Grundsätze niedergeschrieben sind.

In der anderen Gruppe erwies sich die Fragestellung als eine große Herausforderung. Sie drehte sich um die Durchsetzung von Interessen von Jugendlichen und mehr Partizipation von jungen Menschen. Im Dialog und der Frage nach dem „Wie?“ berichteten die Teilnehmerinnen von ihren persönlichen Erfahrungen mit PolitikerInnen. Sie fühlten sich in ihre Kommune überhaupt nicht gehört. Aufgrund der Tatsache, dass in ihrer Stadt zum größten Teil RentnerInnen leben, werden dort oftmals Entscheidungen getroffen, die die Bedürfnisse der Mehrheit der EinwohnerInnen entsprechen und befriedigen. Die Meinung von jungen Menschen oder überhaupt ihre Anwesenheit, zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen, in der Stadt wird oft nicht akzeptiert. Hier herrscht noch das negative Bild vom „wilden Jugendlichen“ vor, so dass sie oftmals schon mit Vorurteilen belastet, keine Möglichkeit haben ihre Perspektive darzustellen. Leider konnte in diesem Workshop kein befriedigendes Ergebnis oder eine endgültige Lösung dafür gefunden werden. Das erzeugte natürlich Frust bei den Teilnehmerinnen. Doch in der anschließenden Auswertungsrunde ermutigten wir sie dennoch an ihren Themen dran zu bleiben. Manchmal ist eine Lösung eben nicht sofort da, sondern braucht einfach noch mehr Zeit, um zu wachsen, weitere Ideen, Enthusiasmus und UnterstützerInnen vor Ort. Das war auch die wichtigste Botschaft, die wir ihnen mit auf den Weg gegeben haben: „Sucht euch zunächst Menschen, die in dieselbe Richtung gehen wollen wie ihr und gewinnt sie für euer Vorhaben!“. Alleine ist der Weg oft sehr schwer oder unpassierbar.

Am dritten Tag wurden alle Ergebnisse aus den Workshops im Plenum vorgestellt und noch einmal diskutiert. Alle TeilnehmerInnen wünschten sich nach dieser gelungenen Veranstaltung, welche eigenständig durch die jugendlichen VeranstalterInnen organisiert wurde, eine Fortsetzung dieses Treffens. So entstand die Idee, dass nun jedes Jugendparlament einmal einen solchen Kongress austragen soll, um den Vernetzungsgedanken weiterzuentwickeln. Ein weiteres Ergebnis des Kongresses war die Erkenntnis, dass ein funktionierendes Jugendparlament vor Ort gute Unterstützung aus der Stadtverwaltung und der Politik braucht!

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